Fertiggerichte sind heutzutage aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken. Weltweit steigt die Nachfrage der Konsumenten nach dieser zeitsparenden und bequemen Alternative zum Selberkochen und dementsprechend wachsen auch von Jahr zu Jahr Angebot und Produktvielfalt. Um die Qualität dieser Produkte aus verschiedenen Gesichtspunkten zu erfassen und falls notwendig zu verbessern, arbeiten im EU-Projekt „Double Fresh" Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe von Prof. Karl-Heinz Wagner am Department für Ernährungswissenschaften (IfEW) der Universität Wien ist die Beurteilung der ernährungsphysiologischen Qualität dieser Gerichte unter Berücksichtigung der Nährstoffzusammensetzung.
Mag.a Sonja Kanzler, Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner
Die Bedeutung von Fertiggerichten in der Vergangenheit, Gegenwarft und Zukunft
Die heutige Gesellschaft unterliegt hinsichtlich der Lebensmittelversorgung einem starken Wandel. Die Konsumenten werden immer mehr von Rohstoffkäufern zu Käufern von bereits verarbeiteten Produkten unterschiedlicher Conveniencegrade bis hin zu unmittelbar verzehrfertigen Gerichten. Letztere können entweder im Supermarkt oder über Hauszustellung erstanden oder in Form der Außer-Haus-Verpflegung (Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung) konsumiert werden.
Der steigende Konsum von
Fertiggerichten prägt die heutige
Esskultur
Laut einer Studie von AC Nielsen kaufen in Österreich 18 % der Bevölkerung häufig und weitere 36 % manchmal Fertiggerichte. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich auch in Deutschland und EU-weit. Als Hauptgrund dafür geben 87 % Zeitmangel an. Als zweithäufigster Grund wird von 35 % erwähnt, dass für sie der Kauf von Komplettgerichten billiger ist als der Kauf aller Einzelzutaten für eine herkömmlich zubereitete Mahlzeit. Fertiggerichte sind jedoch keine Erfindung der heutigen Zeit, sondern weisen bereits eine lange Vergangenheit auf. Die ersten Produkte dienten der Versorgung des Militärs im Feldeinsatz und der ärmeren Bevölkerungsschichten. 1869 produzierten Anderson und Campbell eines der ersten verzehrfertigen Gerichte, nämlich Tomaten, Gemüse, Gewürze und Fleisch in einer Dose.
Gerry Thomas war ein Pionier der klassischen Fertigmahlzeit, da er 1954 für das Unternehmen „Swanson" ein tiefgekühltes Drei-Komponenten-Menü erfand, welches bereits alle Zutaten enthielt und nur im Ofen erhitzt werden musste.Die Gründe für die steigende Nachfrage und Verzehrshäufigkeit von Fertiggerichten heutzutage liegen in der zunehmenden Alterung der Bevölkerung, dem steigenden Anteil an Kleinhaushalten von Singles, Paaren ohne Kinder und Alleinerziehenden, der Mobilisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt sowie dem geforderten Multitasking, der steigenden Berufstätigkeit der Frau sowie dem Trend zu technisierten Haushalten mit Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Mikrowelle usw. und nicht zuletzt der Abnahme der Kochkenntnisse. Durch die steigende Reiselust der Bevölkerung und die steigende Migration entwickelt sich das Bedürfnis nach neuen internationalen Spezialitäten, die verstärkt in die Alltagsküche integriert werden, auch in Form von Fertiggerichten.Dass sich der Wachstumstrend des heimischen Marktes fortsetzen wird, belegen aktuelle Zahlen aus dem Euromonitor International®. Vermutlich kommt es zu einer mengenmäßigen Steigerung von 31 700 Tonnen verkauften Fertiggerichten im Jahr 2007 um weitere 23,6 % auf einen gesamten Verkauf von 39 200 Tonnen bis zum Jahr 2012.
Durchführung der Nährstoftanalysen im Rahmen des Projekts „Double Fresh"
Vor diesem Hintergrund hat sich das europäische Projekt „Double Fresh" als Ziel gesetzt, einerseits die Konsumentenerwartungen an Fertiggerichte zu erheben und andererseits die Qualität dieser Produkte auf unterschiedlichen Ebenen zu evaluieren und wenn notwendig zu verbessern. Deshalb arbeiten mehrere internationale Universitäten, Forschungseinrichtungen und Produzenten von Fertiggerichten zusammen, um den Geschmack, das Aussehen, die ernährungsphysiologische Qualität, die mikrobiologische Sicherheit und die Haltbarkeit durch neue innovative Strategien zu optimieren. Die Arbeitsgruppe in Wien hatte die Analyse, Evaluierung und Optimierung der ernährungsphysiologischen Qualität hinsichtlich der Nährstoffzusammensetzung zur Aufgabe.
Untersucht wurden im Rahmen dieses Projekts Fertiggerichte, die komplette Hauptmahlzeiten ersetzen und keiner weiteren Zugabe von Zutaten bedürfen. Der Großteil der untersuchten Gerichte waren in der Mikrowelle erhitzbare Schalenmenüs, die aus einer Fleisch-, Fischoder vegetarischen Hauptkomponente, einer stärkehaltigen Beilage und/oder einer Sauce bestanden. Insgesamt wurden 17 Gerichte (jeweils 5 Packungen) von 8 europäischen Produzenten (Nord-, Mittel- und Südeuropa sowie Benelux-Länder) untersucht. Da jedoch 4 dieser Gerichte nicht alle für die Mahlzeit typischen Zutaten enthielten, wurden diese in der Auswertung nicht berücksichtigt. Um auch die Qualität von österreichischen Gerichten zu erheben, wurden weitere 20 Gerichte derselben Kategorie vom heimischen Markt analysiert.
Die Nährstoffzusammensetzung der ausgewählten Fertiggerichte wurde nicht nur mit Hilfe von Nährwerttabellen berechnet, sondern auch durch Laboranalysen bestimmt. Das ermöglichte einen Vergleich der berechneten Werte mit den analysierten Daten. Dementsprechend wurden die Gerichte nach der Zubereitung gemäß der Herstellerangaben auf deren Gehalte an Energie und Makronährstoffen inkl. Fettsäuremuster, Ballaststoff- und Zuckergehalt (Glukose, Fruktose und Saccharose) analysiert. Weiters wurden die Fertigmahlzeiten auf deren Gehalt einiger wichtiger Mikronährstoffe wie den fettlöslichen Vitaminen D und E, verschiedenen Carotinoiden, Zink und Kochsalz untersucht.
Für die Beurteilung der Nährstoffzusammensetzung wurden die analysierten Daten entsprechend dem Drittelansatz mit 30 % der derzeit gültigen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr verglichen, weil die Gerichte jeweils nur eine warme Mahlzeit ersetzen.
Nährstoffzusammensetzung der europäischen und österreichischen Fertiggerichte
Der Gesamtenergiegehalt der getesteten Produkte schwankte zwischen 294 - 828 kcal/ Portion. Beim Vergleich mit den gültigen Empfehlungen für eine Mahlzeit zeigte sich, dass nur ein Gericht mehr Energie enthielt als für männliche Erwachsene mit geringer körperlicher Aktivität (PAL 1,4) empfohlen wird. Für weibliche Erwachsene mit geringer körperlicher Aktivität lieferten nur drei der untersuchten Gerichte mehr Energie als empfohlen.Verhältnis der energieliefernden
Nährstoffe teilweise
verbesserungswürdig
Der Gehalt an Kohlenhydraten schwankte zwischen 40,6 - 143,3 g/Portion, jener an Fett zwischen 4,6 - 33,8 g/Portion und jener an gesättigten Fettsäuren zwischen 1,1 - 17,6 g/Portion. Bezogen auf den Gesamtenergiegehalt der einzelnen Fertiggerichte lieferten diese 38,0 - 70,1 E% in Form von Kohlenhydraten und 12,3 - 55,0 E% in Form von Fetten. Folglich enthielten 4 der 13 Gerichte wenigerKohlenhydrate als die empfohlenen 50 E% und 7 Gerichte mehr Fett als die empfohlenen 30 E%. Wurde die Fettqualität näher betrachtet, so zeigte sich, dass hierbei der Gehalt an gesättigten Fettsäuren zwischen 2,9 - 21,3 E% schwankte, wobei 6 Gerichte mehr als die empfohlenen 10 E% enthielten.
Deutlich zu hoher Salzgehalt
Die Salzmenge lag zwischen 3,5 und 6,8 g/Portion, womit alle 13 Gerichte deutlich mehr als die maximal empfohlene Zufuhrmenge von 1,8 g/Portion und 2 Gerichte sogar mehr als die maximal empfohlene Menge von 6 g/Tag enthielten. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den untersuchten Fertiggerichten des heimischen Marktes. Lediglich zwei der Mahlzeiten enthielten mehr Energie als für weibliche Erwachsene und keine der Mahlzeiten enthielt mehr Energie als für männliche Erwachsene mit geringer körperlicher Aktivität empfohlen wird. Jedoch auch hier unterlagen die Gehalte an Kohlenhydraten, Fetten und gesättigten Fettsäuren starken Schwankungen in Abhängigkeit von der Art des Gerichts (siehe Tabelle 1). In Bezug auf den Energiegehalt schwankte der Kohlenhydratgehalt zwischen 24,7 und 79,6 E%, der Fettgehalt zwischen 6,1 und 59,0 E% und der Gehalt an gesättigten Fettsäuren zwischen 1,5 und 22,7 E%. Somit enthielten etwa die Hälfte der Gerichte weni?ger als 50 E% in Form von Kohlenhydraten, mehr als 30 E% in Form von Fetten und mehr als 10 E% in Form von gesättigten Fettsäuren. Der Salzgehalt lag zwischen 3,4 und 7,7 g/Portion, womit auch alle österreichischen Gerichte deutlich zuviel Salz für eine Portion enthielten. Außerdem gab es wiederum 4 Gerichte, deren Gehalt sogar die maximal empfohlene Tageszufuhrmenge überschritt.
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Gehalt in österreichischen Fertiggerichten |
Empfehlung der Nährstoffzufuhr gemäß den DACH-Referenzweren |
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| Energie |
452+/- 102 kcal/Portion |
M: < 720 kcal/Portion |
| Kohlehydrate |
51+/- 14,2 g/Portion |
M: < 90 g/Portion |
| Fett |
17,5+/- 9,5 g/Portion |
M: < 24 g/Portion |
| GFS2 |
6,7+/- 4,2 g/Portion |
M: < 8 g/Portion |
| Salz |
5,4 +/- 1,0 g/Portion |
M: < 1,8 g/Portion |
Empfehlungen zur Optimierung der Nährstoffzusammensetzung
Rezeptoptimierungen verbessern
die Nährstoffzusammensetzung, dabei soll
der typische Geschmack der Speisen erhalten bleiben.
Diese beinhalten u. a. eine Verschiebung des Verhältnisses von Fetten zu Kohlenhydraten durch eine Veränderung der Fleischportion im Vergleich zur stärkehaltigen Beilage. Zusätzlich sollte vermehrt auf die Verwendung von Vollkornprodukten und Wildreis geachtet werden, um v. a. den Gehalt an komplexen Kohlenhydraten zu erhöhen. Um die Fettqualität zu verbessern, sollten vermehrt pflanzliche Öle an Stelle von tierischen Fetten zum Einsatz kommen. Weiters konnte beobachtet werden, dass die in den Gerichten enthaltenen Saucen häufig sehr fettreich waren. Daher wurde empfohlen, deren Menge zu reduzieren bzw. deren Rezepturen z. B. durch den Einsatz von Magermilchpulver statt fettreicher Milchprodukte (Sahne, Creme fraiche) so zu verändern, dass deren Fettgehalt gesenkt wird. Generell für alle Fertiggerichte wurde eine Reduktion des Salzgehalts empfohlen. Stattdessen sollte versucht werden, den Geschmack durch die vermehrte Verwendung von frischen und getrockneten Kräutern und Gewürzen zu optimieren.Derzeit arbeiten unsere Projektpartner an der Umsetzung einiger dieser Optimierungsansätze und zu Beginn des nächsten Jahres werden wir im Rahmen einer neuerlichen Evaluierungsphase die neu entwickelten Gerichte analysieren.
Zusammenfassung
Danksagung
Das dreijährige, bis Ende August 2009 laufende Forschungsprojekt „Double Fresh" wird von der Europäischen Kommission im 6. Rahmenprogramm, Priorität 5 „Lebensmittelqualität und -Sicherheit" finanziert (FOOD-CT-2006-23182). Die von Februar bis Mai 2008 durchgeführte Untersuchung der Fertiggerichte des österreichischen Marktes wurde erst durch die finanziellen Mittel der Arbeiterkammer Wien ermöglicht.
Quelle: ÖGE (österreichische Gesellschaft für Ernährung)






